Der Tsunami ist angekündigt
Jetzt vorbereiten
Am 28. Juni 2026 widmete sich die «Sternstunde Philosophie» einer Frage, die uns alle angeht: Wie sieht die Zukunft des Sterbens aus? Palliativmediziner Gian Domenico Borasio sprach mit Olivia Röllin von einem «Tsunami von hochaltrigen Sterbenden», der auf uns zukommt – ein Bild, das mich seither nicht losgelassen hat. Ich lade Sie ein, diese Stunde anzusehen. Sie ist ruhig und klug – und sie ist ein Weckruf.
Ein Tsunami aus Zahlen
Die Prognosen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Obsan geben diesem Bild Zahlen: Bei unveränderter Versorgungspolitik rechnet die aktualisierte Obsan-Prognose 2025 bis 2040 mit rund 37’000 zusätzlichen Langzeitpflegebetten gegenüber 2023 – das entspricht über 600 neuen Pflegeheimen. Für die Spitex kommen rund 7’400 zusätzliche Vollzeitstellen dazu. Ein auf Effizienz getrimmtes Gesundheitssystem gelangt damit an seine Grenzen, so die Sendung (SRF).
Drei Risiken am Lebensende
In meiner Begleitung am Lebensende begegnen mir drei Richtungen, in die es geraten kann, wenn in einer Krise schnell entschieden werden muss:
- Unterversorgung: Schmerzen bleiben ungenügend behandelt, Zuwendung fehlt, Angehörige sind überfordert.
- Übertherapie: Massnahmen werden fortgesetzt, obwohl sie keinen Nutzen mehr bringen – aber Leiden verlängern.
- Fehltherapie: Es wird so gehandelt, wie ich es nie gewollt hätte – weil niemand weiss, was ich will.
Was die Sendung an Lösungen zeigt
Die Sendung fragt nach neuen Formen der Solidarität: nach «Caring Communities», die Sorgearbeit breiter in Nachbarschaft und Gemeinde verankern, und nach Palliative Care als Modell für ein menschlicheres Gesundheitssystem (SRF).
Was ich vermisse: die eigene Frage
Aber eine Stimme kommt in der ganzen Debatte zu kurz: Ihre. Auf die Strukturen haben Sie als Einzelner wenig Einfluss. Auf die Frage «Wie will ich einmal sterben?» dagegen sehr viel. Zur Kultur des Sterbens gehört für mich auch der Gedanke: Wir dürfen sterben – nicht nur sterben müssen. Gesundheitliche Vorausplanung ersetzt weder genügend Pflegepersonal noch eine gute Versorgung. Sie macht aber sichtbar, was Ihnen wichtig ist, und gibt Ihrer Vertretungsperson, Ihren Angehörigen und dem Behandlungsteam Orientierung, wenn Sie selbst nicht mehr entscheiden können.
Gesundheitliche Vorausplanung: heute beginnen
Vorausplanung ist kein Papier für den Schrank. Sie ist ein Prozess, den Sie in Ihrem Tempo gestalten können:
- Klären Sie Ihre Werte, Wünsche und Grenzen – am besten im Gespräch mit Fachpersonen.
- Bestimmen Sie eine Vertretungsperson und sprechen Sie mit ihr und Ihren Nächsten über das, was Ihnen wichtig ist.
- Halten Sie Ihre Behandlungswünsche fest. Ich begleite Sie dabei mit der Patientenverfügung «plus» – nach Advance Care Planning (ACP), medizinisch genau, mit Raum für Ihre Werte.
- Sorgen Sie dafür, dass Ihre Dokumente im Notfall auffindbar sind, und überprüfen Sie sie bei Veränderungen in Ihrem Leben.
Und wer sich in der Begleitung üben möchte: Letzte Hilfe Kurse stärken Sie und Ihr Umfeld. Sie sind der Baustein für Caring Communities von unten.
Sie müssen nicht alles heute entscheiden. Aber Sie können heute beginnen. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin oder schreiben Sie mir an kontakt@endegut.ch. Ihr Lebensende verdient mindestens so viel Aufmerksamkeit wie Ihre Finanzvorsorge.

